Die Gesprächstherapie* nach Carl R. Rogers (1902 bis 1987), einem US-amerikanischen Psychologen und Psychotherapeuten, gehört zu den Verfahren der Humanistischen Psychologie, die sich in den 60er Jahren in den USA entwickelt hat.
Nach Rogers Verständnis ist das Wesentliche in der Gesprächstherapie die Beziehung zwischen Klient:in und Berater:in bzw. Therapeut:in.
Auf unsere Situation in einem realen Gespräch bezogen, bedeutet dies:
In einer vertrauensvollen offenen Atmosphäre und bei gegenseitigem ehrlichem Wohlwollen wird Ihnen ermöglicht, mein Beziehungsangebot anzunehmen, um eben in dieser Begegnung persönlich wachsen bzw. nachreifen zu können.
Dabei teile ich Ihnen während des Gesprächs mit, was ich bei mir selbst wahrnehme und fühle; das heißt, ich spiegel Ihr Verhalten und Ihren Ausdruck. Ich spreche also vielleicht das aus, was Sie vielleicht noch nicht aussprechen können oder was Sie noch gar nicht bei sich selbst wahrgenommen haben. Oder ich teile Ihnen mit, wie ich das, was Sie mir sagen oder was Sie mir im Gespräch zeigen, verstanden habe. Und Sie können das für sich prüfen, ob es stimmig für Sie ist.
Rogers meinte, wenn Klient:innen in der wohlwollenden Begegnung ganz sie selbst sein und sich in Gänze angenommen fühlen dürfen, hätten sie die Gelegenheit, ihre Gefühle und ihre körperlichen Empfindungen zu zulassen – ihren eigenen Gedanken Raum zu geben. Das, was sie bisher nicht gefühlt und nicht wahrgenommen haben – also das bisher Unterdrückte und das Verdrängte –, kann erlebbar und bewusst gemacht und schließlich integriert werden.
Grundlage der Humanistischen Psychologie ist ein humanistisches Menschenbild:
Nicht der kranke Mensch steht im Mittelpunkt, sondern vielmehr die gesunde Person, die in ihrer psychischen Entwicklung und Entfaltung durch Umwelteinflüsse blockiert wurde. Demnach trägt jede Person ein unermessliches Potenzial in sich, sich selbst zu verwirklichen. D. h. sie kann ihr Selbstbild und ihr Selbstverständnis – also ihre innere Haltung und ihr eigenes Verhalten – verändern und sich im eigenen Sinne persönlich weiterentwickeln.
Basis der klienten- oder personenzentrierten Gesprächstherapie (wie Roger sie später nannte) ist demnach ein humanistisches Menschenbild und daraus resultierend die Haltung der Berater:in:
Echtheit und Transparenz der eigenen Person (Therapeut:in) mit ehrlichen Rückmeldungen gegenüber den Klient:innen.